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Verständnisrisiken |
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hallo
ich greife einmal diesen Begriff der Verstehens- und Verständigungsrisiken aus dem Thread "Selbstgespräch" auf und formuliere eine Frage.
Zitat "Es gibt kein wirkliches Verstehen dessen, was jemand anderes uns wirklich sagen will. Es gibt nur mehr oder weniger nützliche Missverständnisse"
Steve de Shazer.
Dieses bekannte Zitat aus einem oder dem (?) Konzept der Kurzzeittherapie beschäftigt mich immer wieder einmal. Was ist hier mit "nützlichen Missverständnissen" gemeint ?
Mein Selbsterklärungversuch geht in die Richtung, dass wir jeweils nur Aspekte einer Mitteilung aufnehmen (können), niemals die gesamte Dimension, die sich aus der Komplexität des Mitteilenden und der aktuellen Situation ergibt. Diesen Gedanken weiter vefolgt, würde dann Verstehen z.B. auch bedeuten, dass es Ähnlichkeiten der beiden Kommunizierenden gibt. Angefangen bei basalen Eigenschaften hin zu komplexeren.
Oder bezieht sich die Aussage des Zitats überhaupt nicht auf Eigenschaften sondern reduziert Verstehen auf das Verfolgen von Zielen und Interessen, rein pragmatisch ?
Welchen Platz hat das Bedürfnis des Verstanden-Werdens in einem konstruktivistischen Konzept ?
Wie verträgt sich die Qualität von Empathie auf der einen Seite mit Nützlichkeit auf der anderen ?
Ich freue mich auf eure Antworten
Jutta
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04.07.2009 09:20 |
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Jutta Dierberg
Mitglied
 

Dabei seit: 22.07.2005
Beiträge: 10
Themenstarter
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ich glaube hier habe ich bei einem streifzug durch das internet gute ansätze auf meine fragen gefunden, toller aufsatz.
http://www.capurro.de/konstruktivismus.html
trotzdem betrübt es mich etwas, dass mein beitrag keinerlei resonanz ausgelöst hat. tritt doch aus meiner perspektive heraus betrachtet, dieses thema immer wieder in der praxis auf. :-(
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09.07.2009 20:54 |
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Würde gerne länger schreiben, riskiere aber einen kurzen Beitrag:
Ich frage mich: Welchen Maßstab wollen wir denn verwenden, nach dem wir entscheiden können ob wir "wirklich" verstanden haben oder verstanden worden sind? Oder gar: ob wir "wirklich" gesagt haben, was wir sagen wollten? Und woran erkenne ich dann, daß ein Missverständnis vorliegt, und dann auch noch ein nützliches?
Mir scheint, das ist die typische Situation, in die wir geraten, wenn - mit Wittgenstein gesprochen - "die Sprache feiert". Wenn ich beim Bäcker drei Laugenstangen bestelle und bekomme, ist alles gesagt, alles verstanden und alles getan (!). Auch, wenn ich jemandem sage "Ich liebe Dich". Das gibt´s, daß man da verstanden wird, man soll es kaum glauben.
Feierlichkeiten der Sprache sind deshalb noch lange nicht uninteressant. Aber auch sie haben ihr Umfeld, ihre Umgebung - wenn wir dichten, zum Beispiel.
Diese Fragen erheben ihren Kopf, wenn wir wirklich erfahren, daß wir uns missverstanden haben; wenn wir, sozusagen, auf die Regeln des Spiels schauen, weil es gerade stockt. Deshalb schauen wir aber nicht immer (irgendwie verborgen oder unbewusst oder sonstwie) auf die Regeln, während wir spielen und das Spiel läuft und klappt. In dieser Umgebung macht die Frage nach einem Maßstab Sinn. Und Beratungsumgebungen sind gerade eher solche, in denen in Frage steht, was nicht läuft oder nicht klappt. Daraus müssen wir aber keine großen Behauptungen machen über diese Umgebung hinaus. Wenn das doch getan wird, erregt das meine Skepsis.
Noch ein Gedanke: Sprechen ist nicht immer das beste, was zu tun ist. Aber es ist zuweilen verlässlicher, als wir denken.
__________________ Ich gehöre allen, mir gehört niemand. mato
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30.07.2009 07:48 |
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Jutta Dierberg
Mitglied
 

Dabei seit: 22.07.2005
Beiträge: 10
Themenstarter
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| Zitat: |
Original von Matthias Ohler
Und Beratungsumgebungen sind gerade eher solche, in denen in Frage steht, was nicht läuft oder nicht klappt. Daraus müssen wir aber keine großen Behauptungen machen über diese Umgebung hinaus. Wenn das doch getan wird, erregt das meine Skepsis.
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heisst das: wenn es klappt spürt man es, es lässt sich aber schlecht (positiv) benennen und ist auch garnicht notwendig oder rückt schon in die Nähe einer Ideologie ? -
Zitat "Es gibt kein wirkliches Verstehen dessen, was jemand anderes uns wirklich sagen will. Es gibt nur mehr oder weniger nützliche Missverständnisse"
Steve de Shazer.
Es gibt......
klingt für mich ähnlich wie "Das Leben ist......(Leiden), wie es im Buddhismus behauptet wird.
hat Steve hier auf dem falschen Tanzboden gefeiert
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07.08.2009 08:45 |
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Das Bild der Feier auf dem falschen Tanzboden gefällt mir gut.
Wittgenstein würde wohl sagen: Falsches Sprachspiel benutzt.
Wenn ich das Bestellspiel und das wissenschaftliche Forschungs- und Behauptungsspiel assimiliere und die beiden dann nochmal mit dem der Frage nach oder des Interesses an dem, was jemand anderes fühlt, kennt man sich irgendwann nicht mehr aus und sucht entsprechend nach dem möglichst nützlichsten Missverständnis - hat sich aber glaube ich noch nicht Klarheit darüber verschafft, wie man das denn beurteilen soll, und wer das macht, und vor allem: wozu.
Die Sprache dient nicht immer dem gleichen Zweck, nämlich dem Gedanken zu übertragen oder in Erfahrung zu bringen, ob etwas wahr oder falsch ist. Das Setting des Therapiegesprächs mag allerdings dazu einladen.
Capurros Artikel weist, glaube ich, in die richtige Richtung. Die grundsätzliche Orientierung daran, daß wir in der Welt in erster Linie deswegen sind, um sie zu erkennen, gibt er aber auch nicht auf.
Ich lese derzeit wieder Merlau-Pontys Phänomenologie der Wahrnehmung. Dort finde ich gute Fragen, die diese Orientierung wohltuend irritieren. Und nebenbei wieder so viele Hinweise, daß die marktstrategische Differenzierung zwischen Phänomenologie und Konstruktivismus, wie sie aus dem Zoff ziwchen klassisch-systenischen und Aufsteller-Truppen heraus erfunden wurde, die Nähe der beiden Forschungswelten ignoriert.
__________________ Ich gehöre allen, mir gehört niemand. mato
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08.08.2009 07:45 |
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