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Niklas Luhmann, Heinz von Foerster, Francisco Varela |
Peter-W. Gester
In Memoriam: Georgia O'Keeffe und Alfred Stieglitz
    

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| Niklas Luhmann, Heinz von Foerster, Francisco Varela |
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Marianne Krüll aus Bonn http://de.wikipedia.org/wiki/Familie_Mann
führte dieses Interview für die Colportage.
Mittlerweile sind alle Interviewten gestorben.
Heinz von Foerster, (1911 - 2002)
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_von_Foerster
Niklas Luhmann, (1927 - 199
http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann
Francisco Varela, (1946 - 2001)
http://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_Varela
KREUZVERHÖR
aus Colportage, Heft 1, 1986
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Anfang März diesen Jahres waren Niklas Luhmann, Heinz von Foerster und Francisco Varela zum 4. Forum mit Titel `Lebendige Systeme`nach Heidelberg eingeladen. Zwar ließ die zarte Märzsonne das kraftvolle Knospen des aufkeimenden Frühjahres ahnen, doch noch kündigte sich durch sich durch nichts der wunderbare Sommer 1986 an. Die Referenten zogen (trotz oder wegen ihren teilweise verwickelten Darstellungen systemischer Theorien) die 180 Forumsteilnehmer in ihren Bann; die erstklassige Tagungsorganisation durch die Geschäftsstellenleiterin der IGST, Frau Kirsch, die angenehme Atmosphäre des Hotels Molkenkur und der herrliche Blick auf Heidelberg und Neckartal taten ihr übriges. Die `Geister` der Teilnehmer wurden zunächst perturbiert, dann mehrfach doppelt kontingent sequenziert und zuletzt gnadenlos ohne Ansehen des Geschlechts der Interpenetration ausgesetzt. Kurz um, zum Ende des Forums wird sich mancher Zuhörer nicht sicher gewesen sein, ob nun nicht nur seinmHerz, sondern auch sein Verstand in Heidelberg verloren gegangen sei. Mittlerweile ist es jüngste Forumstradition, die Referenten ins Kreuzverhör zu nehmen; hier ein Ausschnitt aus dem Kreuzverhör des Forums Lebendige Systeme. Die Professoren Luhmann (NL), von Foerster (HvF) und Varela (FV) geben Antwort auf eine Frage von Marianne Krüll (MK) bzgl. der Bedeutung der Ethik im konstruktivistischem Denken.
MK.: Ich hätte eine Frage nach der Ethik. Es geht darum, dass man fragt, was diese Ansätze mit denjenigen machen, die sie vertreten, oder noch anders gefragt, ist nicht vor dem kostruktuvistischen Denken, bevor ich konstruktivistisch etwas konzipiere oder den Konstruktivismus als Theorie für mich akzeptiere , etwas , was mich überhaupt veranlaßt, das zu tun. Der Hinweis darauf, daß Ethik erforderlich ist, wenn wir unsere Welt als konstruiert wahrnehmen, dass wir dann Verantwortung übernehmen für unsere Konstruktionen, dieser Satz, der bei F. Varela und H. v. Foerster steht, ist mir nicht genug. Ich meine nämlich, daß ich, bevor ich zum Konstruktivismus komme, ganz bestimmte ethisch-moralische Entscheidungen gefällt habe, die aus meinem Lebenszusammenhang, aus meinen politischen und sonstigen Überzeugungen kommen, die mich dahinlenken, diesen – in meinen Augen sehr radikalen – Sprung zu tun. Denn wenn ich das tue, ist das eine ethisch und moralische Entscheidung, die für meine Begriffe ganz gewaltige Implikationen für mich selber hat. Haben Sie eine Vor-stellung davon, wie Sie als Person an dieses Denken gekommen sind und wie es mit Ihrem Lebenszusammenhang - ich gehe immer vom biographischen oder historischen aus – verbunden ist ?
NL.: Soll ich anfangen ?
MK.: Ich weiß nicht, das entscheiden Sie.
NL.: Gut, ich würde zunächst einmal sagen, daß die biografisch-motivationale Seite in der Theorie, die ich mir – man könnte Konstruktivismus sagen, das brauchen wir jetzt hier nicht zu verfeinern – vorstelle, eine Zufallskomponente ist. D.h., wenn ich mir selbst vorstelle, wie ich zu meiner Theorie komme, ist das eine Serie von Zufällen, die aus Gründen, die weniger zufällig sind, aber auch noch zufällig sind, kondensierende Effekte gehabt haben. Ich würde also die Frage, wie Motive zustande kommen und sich an einer Theorie als Motive anreichern oder selegieren, privatbiographisch sozusagen, als Zufall behandeln von der Theorie aus, die so entsteht, und das streng trennen von allen ethischen und moralischen Fragen. D.h., ich würde ethische und moralische Fragen immer als Konditionierung von Beurteilungen über Verhalten und nicht auf der Ebene von Motivation ansiedeln.
Und insofern ist Ihre Frage für mich eine zweiteilige. Wenn ich privatbiographisch antworte, würde ich sagen, eine Serie von Zufällen, wenn ich moralisch beantworte, würde ich fragen, was sind die Konditionen von Achtung und Missachtung, die man als Wissenschaftler erfüllt und erfüllen muß, wenn man eine solche Theorie formuliert. Für mich ist da die Hoffnung, dass diese Dimension möglichst lange ausgeschaltet werden kann, daß es also weder Achtung noch Missachtung gibt, und man ungestört durch diese Probleme an der Theorie arbeiten kann.
HvF.: Durch einen Zufall hab`ich hier eine kleine Notiz. Und zwar ist die irrtümlich auf der Rückseite von meiner Bibliografie gedruckt worden. Es handelt sich um einen kurzen Auszug aus dem Tractatus logico-philosophicus, also der logisch-philosophischen Abhandlung von Ludwig Wittgenstein. Es handelt sich um die Proposition Nr. 6, 421 :
„Es ist klar, daß sich die Ethtik nicht aussprechen lässt. Die Ethik ist transcendental.“ Jetzt kommt ein Untersatz, eine Erklärung, und die ist typisch wienerisch – und Sie werden sofort sehen, wieso das wienerisch ist.
„Der erste Gedanke bei der Aufstellung eines ethischen Gesetzes von der Form `du sollst...` ist: Und was dann, wenn ich es nicht tue ?“ Also wär das, was ich mir sofort denke.
„Es ist klar, dass die Ethik nichts mit Strafe und Lohn im gewöhnlichen Sinn zu tun hat. Also muß diese Frage nach den Folgen einer Handlung belanglos sein“, nämlich bezüglich Strafe und Belohnung.
„Zum Mindesten dürfen diese Folgen nicht Ereignisse sein. Es muß zwar eine Art von ethischem Lohn und ethischer Strafe geben, aber diese müssen in der Handlung selbst liegen.“
Diese Rückbezüglichkeit der Handlung auf ihren Wert, der sofort verloren ist, wenn die Handlung gemacht ist, indem der Lohn sozusagen, oder die Belohnung bzw. Strafe auch schon verschwunden sind, wenn die Handlung gemacht wird, so dass die Aktion ihren Wert nur in sich selber trägt, gehört natürlich genau in diese Art von rekursivem Denken, das wir hier schon öfter entwickelt haben.
Also, wenn ich die Luhmannsche Unterscheidung zwischen persönlicher und wissenschaftlicher Geschichte in mir vortragen möchte, dann würde ich sagen, alles theoretische Denken – bzgl. dieser ganzen Idee von konstruktiver Realität etc. etc. – ist passiert auf einer Hoffnung, mit den Wittgensteinschen Forderungen zurechzukommen, so dass die Ethik, die in diesem System ist, nicht ausgesprochen ist, sondern implizit bleibt. D.h., jeder Satz muß sich auf eine Ethik beziehen, die diesen Satz selber evaluiert oder auswertet etc. . Daher basiert der Versuch einer solchen Theorie jetzt auf einer folgenden Strategie – die allerdings, so glaub`ich, noch nicht genügt, denn ich hab`s ja noch nicht gelöst – aber ich möchte Ihnen sagen, in welche Richtung ich zu arbeiten versuche:
Nehmen Sie für einen Monent an, Sie wollen eine Theorie des Gehirns T (G) schreiben. Wie das Gehirn funktioniert, wie man denkt etc. . Also, wenn Sie diese Theorie des Gehirns schreiben wollen, dann muß natürlich diese Theorie mit einem Gehirn geschrieben werden, (G) T. Üblicherweise tun wir das so. Daher muß jetzt das schreiben dieser Theorie von der Theorie selbst erfüllt werden können; die Theorie muß sich sozusagen selbst schreiben: T(G(T)). Dann, und nur dann sind solche Schließungen möglich. Nicht jede beliebige Theorie kann so funktionieren, sondern nur solche Theorien, die sozusagen ein Eigenwert des ganzen Systems sind.
Dieses sind die Strategien, die ich im Moment verfolge, in Richtung auf eine implizite Ethik, wo nirgendwo steht: Du sollst. Das Höchste, was man sagen kann: Ich soll. Und dann ist es rückbezüglich zu einem selbst. Das ist das, was ich vielleicht zu Ihrer Frage beitragen will.
FV.: It seems to me, that the seperation between fact and value is one and the same as the seperation between the situation of having a world and knowing a world as a representation and this is, I believe, the fundamental basis for an alternative ethics.
What I mean by that, is the follow: that once, you cannot from at least the theoretical standpoint separate, between fact and value. In this sense, there is a relationship to constructivism, although, I must confess, and this is a footnote, I don`t find the word constructivism, all that helpful after some time; because it emhasizes too much, that constant flavour, which I at least, I´m trying to get away from. It is not a construction, it is such, why I like to speak more of bringing forth, because it is neither there nor here, it is a coemergence of those of them together, to that extent, that there is no seperation than, between fact and value. Because if the two things emerge at the same time, you find yourself in a very different ethical situation, because as Heinz already emphasized, it becames absolutely and implicit and in a case by case. Now, I won`t develop that anymore.
But let me point out, what it means for me personally. And what does it change and how does it change my behaviour or hopefully how it will change my behaviour. What it means, since I know, that there is this constant coming together of my values and my facts, my values and my actions, what I have to do, is not only to put objectivity in parenthesis, but my solidity on that objectivity in parenthesis, which means to say, that I have constantly to train myself, and this is not something, that comes easily to human beings in the action of letting it go, of putting it down, of just letting your mind free of a particular fixation on how it should be, on how it should look like, on how we should behave, and so on and so forth.
And I appreciate, that out of the ground of every situation there is a certain sanity and in this I might sound naïve, but I have a fundamental trust in a human sanity, out of which there is a wisdom, that contains the open space, when I allow the situation to have that kind of freedom. The training in letting go of that tendency to fixate on facts and values, is again, and I repeat this, something, that at least to me personally is not something, that we can do easily. That one has to train oneself in that. And that is a lifelong training. And unless, when we make it into a lifelong training, to talk about ethics is a little bit empty, in other words, the theory without that training to me doesn`t mean much. In that sense, ethics becomes the central process of learning, but it is a process of learning, it is not a statement of fact or a Weltanschauung.
Peter-W. Gester hat dieses Bild (verkleinerte Version) angehängt:
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11.05.2005 08:30 |
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Peter-W. Gester
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24.06.2005 20:17 |
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| Francisco Varela, DVD, Monte Grande |
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Zum Thema Autopoesis, Bewusstsein, Meditation gibt es jetzt eine 80 minütige DVD über Francisco Varela und sein Werk:
Monte Grande
"francisco varela war ein genie der synthese. bewundert, umstritten und von der mitreissenden leidenschaft eines begnadeten forschers. er hat die modernesysthemtheorie genauso geprägt wie die kognitionswissenschaft. er war ein freund des dalai lama und ein unorthodoxer anreger auf dem Parkett der internationalen wissenschaftsszene. in franz reichles film - der dokumentation eines lebens im angesicht des nahen todes - kommt man francisco varela in einer weise nahe, die ich nicht für möglich gehalten hätte. ...
in diesem film gelingt es, die trennung von wissenschaft und kunst - zumindest für 80-zig beglückende minuten - wieder rückgängig zu machen."
bernhard pörksen
Bei Amazon:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0...1802585-7509317
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02.06.2006 12:50 |
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